Die 7 Hauptlaster aus astrologischer Sicht (4) -  Acedia

Hieronymus Bosch, Die Sieben Todsünden und die vier letzten Dinge. Um 1495–1520
Hieronymus Bosch, Die Sieben Todsünden und die vier letzten Dinge. Um 1495–1520

 


Im Katechismus der katholischen Kirche sind 7 besonders schwerwiegende  Sünden beschrieben, die aus schlechten  Charaktereigenschaften entstehen.

Während  die Kirche  die vollkommende Reue (Beichte) als Mittel anbietet  der „Höllenstrafe“ zu entkommen, ist aus humanistischer und aufgeklärter Sicht die Persönlichkeitsentwicklung

zentral, um die eigenen Charaktereigenschaften zu reflektieren und  bewusst in eine andere Richtung steuern zu können.

Aus astrologischer Sicht lassen sich die sieben Hauptlaster der Menschheit mit den 7 (im Altertum bekannten) Planeten in Verbindung bringen.


 Teil 4 - Die Trägheit- Acedia

Und Hochmut ists, wodurch die Engel fielen,
Woran der Höllengeist den Menschen faßt. - See more at: http://www.friedrich-schiller-archiv.de/die-jungfrau-von-orleans/prolog-jungfrau-von-orleans/prolog-2-auftritt/#sthash.a62vn0YA.dpuf

"Die mindeste Kraftäußerung ist dem gewöhnlichen Menschen weit schmerzhafter,

als tausendfaches Leiden, und er mag lieber alles erdulden, als einmal handeln"

Johann Gottlieb Fichte, Das System der Sittenlehre nach den Prizipien der Wissenschaftslehre 1798

 

Und Hochmut ists, wodurch die Engel fielen,
Woran der Höllengeist den Menschen faßt. - See more at: http://www.friedrich-schiller-archiv.de/die-jungfrau-von-orleans/prolog-jungfrau-von-orleans/prolog-2-auftritt/#sthash.a62vn0YA.dpuf

Boschs Gemälde zeigt zur Acedia einen Mann, der es sich am helligten Tag mit einem Kissen unter dem Kopf am Kamin bequem gemacht hat und schlummert. Zu seinen Füßen liegt ein schlafender Hund, als Symbol fehlender Wachsamkeit.Eine Nonne oder eine zum Kirchgang gekleidete Frau hält ihm ein Gebetsbuch ö.ä. hin zur Mahnung. Möglicherweise ist durch die in der Ecke stehende Spindel und den angebrochenen Krug auch eine Frau symbolisiert, die frömmelt und ihre Hausarbeit vernachläßigt. Die Trägheit des Mannes lässt ihn seine Pflichten gegenüber den Menschen und Gott vergessen.

Acedia (Trägheit, Faulheit, Überdruss) und das Planetenprinzip der Venus

 

Seit Papst Gregor dem Großen (~ 540 -604 ) gibt es nur noch 7 Hauptlaster, da acedia und tristia verschmolzen wurden.

Als Folgen der Acedia werden Schläfrigkeit, Unruhe, Umherschweifen, Unstetigkeit des Geistes und des Körpers, Geschwätzigkeit genannt. Die Trägheit umfaßt nicht nur die einfache Faulheit, sondern die Trägheit des Herzens und des Geistes, einen Mangel an Interesse.

 

Während im antiken Griechenland die "vita contemplativa", der feinere Lebensstil und Kunstsinn, keineswegs als anrüchtig galten, ändert sich dies mit dem Erstarken des Christentums. "...so jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.“ (Briefe des Paulus2. Thess. 3,10) und Benedikt von Nursia (480–547), der Ordensgründer der Benediktiner, spitzte die Arbeitsethik zu auf das bis heute noch bekannte „ora et labora“. Müßiggang war zum „Feind der Seele“ geworden, der besonders bei Einsiedlern und anderen Mönchen zu mangelndem Gottvertrauen, Trägheit und Vernachlässigung religiöser Pflichten führen konnte, der „Mönchskrankheit“.Gemeint ist eine "Trägheit des Herzens" (taedium es anxietas cordis) als Ausdruck der Verzweiflung am Heilsplan Gottes, also eine geistig-religiöse Krise, Einsamkeit, Überdruss und Langeweile.

Die vom Soziologen Max Weber beschriebene "protestantische Arbeitsethik" bezieht sich auf die Einstellung des Werktätigen zu seiner Arbeit als Mittelpunkt des Lebens und Pflicht, die man nicht vernachlässigen darf.

 

Kant definiert Faulheit als "Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit im gesunden Zustande" (Anthropologie § 87), jedoch sieht er als Gegengewicht zum Hang zur Faulheit das Streben des Menschen, sich in Gesellschaft zu begeben, getrieben durch Ehrsucht, Herrschsucht oder Habsucht, sich einen Rang unter seinen Mitgenossen zu verschaffen, die er nicht wohl leiden,von denen er aber auch nicht lassen kann". Der Faulheit verwand ist die Feigheit : "Feigheit ist dieTrägheit, in der Wechselwirkung mit anderen unsere Freiheit und Selbständigkeit zu behaupten.(J. G. Fichte, Das System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre 1798, § 16)

 

Venus und die Faulheit

Aus astrologischer Sicht steht das Planetenprizip der Venus (Harmonie) als Gegenpol zu Mars (Tatkraft, Arbeit, Wille) in Beziehung zur Kontemplation. Als Schatten sind Faulheit, Bequemlichkeit, Überdruss und Langeweile, mangelnde Entschlusskraft, Ziellosigkeit und gefälliger Opportunismus negative Eigenschaften, die mit einem Überbetonung des Venusprinzips einhergehen.

Besonders die Zeichen Waage und Stier stehen in der Gefahr diese negativen Eigenschaften zu entwickeln.

Im Zeichen Stier betrifft es mehr die körperliche Dimension der Trägheit, also Schläfrigkeit, nicht arbeiten wollen, das körperliche Wohl überbetonen und darüber alle geistigen Interessen vernachlässigen.

In der Waage ist es eher die von Fichte beschriebene Faulheit, sich selbst zu behaupten und stattdessen in gefällige Anpassung und Oppportunismus abzugleiten. Jeden eindeutigen Standpunkt zu vermeiden, weil es Anstrengung erfordert, smalltalk zu machen, statt sich wirklich zu unterhalten, sich kurzweilig zu vergnügen, statt wirklich mit Dingen auseinanderzusetzen, gehören zu den modernen Entsprechungen der mit Acedia gemeinten Charakterschwäche.

Die Waage ist ausgesprochen sympatieabhängig und vermeidet daher gern einen eindeutigen Standpunkt, der polarisieren könnte (Feigheit). Ihren Sinn für Kunst, guten Geschmack und Ästhetik sollte sie kultivieren, ohne Belanglosigkeit und Oberflächkeit (Interessenlosigkeit) abzugleiten.

Der Stier muss lernen, seine körperlichen Bedürfnisse zu kultivieren, ohne das Leben auf die drei F`s (fressen, fi.., fernsehen) zu reduzieren und einen Ausgleich zwischen Aktion und Muße herzustellen.

 

 

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