Neptun und die Midlifecrisis

In der Mitte der Vierziger Jahre erleben wir das, was wir die Midlifecrisis nennen: Es beginnt mit dem Quadrat des laufenden Neptun zu seiner Stellung im Geburtshorokop, gefolgt von Uranus in Opposition zum Radix-Uranus und Saturn in Opposition zum Radix-Saturn.

Die typischen Ausdrucksweisen dieser Lebensphase sind bekannt: Mann sucht sich eine deutlich jüngere (oder zu junge) Partnerin, Frau nimmt sich einen jungen Liebhaber, Mann kauft sich ein Motorrad und Frau einen Sportwagen. Mann gibt auf Malle im Ballermann "alles" und Frau macht Urlaub auf Jamaika, Djerba ( oder anderen Sex-Paradiesen).

 

Doch was liegt diesem Verhalten, das wir alle, wenn nicht von uns selbst, dann doch wenigstens aus dem Bekanntenkreis kennen?

Neptun bringt uns in Verbindung mit unseren ungestillten Sehnsüchten, wenn Saturn uns auf die Realität hinweist, die meilenweit von unseren Träumen entfernt ist, und Uranus zum sofortigen Aufbruch und Abruch des Bestehenden alamiert, sind also diese "Phänome" (zumindest in unsere Kultur) sehr naheliegende Verhaltensweisen.

 

Die Aufforderung dieser Lebensphase liegt aber woanders. Die Diskrepanz zwischen dem, was wir im Leben erreicht haben und dem, wie uns uns mit 25 unser Leben vorgestellt haben, wird uns oft schmerzlich bewußt. Wir werden körperlich nicht jünger, die Zeit, in der wir unsere Träume verwirklichen können läuft täglich ab, und wir haben das Gefühl, dass das Leben in der täglichen Routine an uns vorbei läuft. Die Folge ist oft eine Art "Torschusspanik".

Die Aufforderung in unserem Leben etwas zu ändern, ist zunächst konstruktiv und deshalb ist die Midlife crisis eine der chancenreichsten Lebensphasen.

Ein Job, der uns nicht mehr ausfüllt, eine Partnerschaft, die uns nicht mehr das gibt, was wir brauchen, sollten verändert werden.

Das Neptun-Quadrat birgt jedoch die große Gefahr der Illusion, in der wir dann der "Traumfrau" oder dem "Traummann" nachjagen, dem "Traumjob", oder dem "Traumauto". Die innerliche Unzufriedenheit versuchen wir mit Veränderungen im Äußeren zu besiegen.

Das Glück, was wir suchen, kann durchaus mit äußeren Veränderungen zu tun haben. Wir erfüllen uns den langgehegten Wunsch vom Traumwagen, wir beenden eine Partnerschaft, die nicht mehr tragfähig ist, wir kündigen den Job, der nur nur noch Geld und Festanstellung bietet.

Wenn wir uns aber nicht der Trauer um den Verlust der Jugend stellen, versuchen wir ledigleich durch einen viel zu jungen Partner unsere Jugend "zurückzubringen".

Wenn wir uns den Herraussfoderungen, die jede langjähre Partnerschaft mit sich bringt, nicht stellen wollen, versuchen wir einfach durch Äffären den "Kick" einer frischen Beziehung zurückzubringen. Wenn wir Freiheit mit dem Fahren schneller KFZ verwechseln, suchen wir das Glück im Materiellen, statt innere Freiheit zu gewinnen.

Die Crux bei einer Beteiligung Neptuns besteht darin, dass wir das zugrundeliegende Bedürfnis nicht zu erkennen vermögen, weil wir der Illusion erliegen.

 

Neptuns Täuschungen haben viele Gesichter

 

Mit Neptun assoziieren wir srh schnell Realitätsverlust im Drogenrausch, vermeintliche spirtuelle Erweckungserlebnisse, oder einfach geistige Verwirrung.

In den allermeisten Fällen ist die Wirkung Neptuns aber weit subilter und weniger augenfällig.

Wir nehmen nur noch einen Teil der Realität war, (meist den, der am ehesten in unser Weltbild passt und am bequemsten ist) und blenden andere wichtige Elemente und Faktoren, die genauso zu einem realtistischen Gesamtbild gehören, einfach aus.

Natürlich werde ich nie den Moment vergessen, in dem meine Freundin an ihrem 40. Geburtstag, völlig bekifft, die Suppe, die sie für ihre Gäste gekocht hatte, auf den Boden schüttete und schallend lachend rief: "Ich bin 25!"

Meistens ist Neptun jedoch völlig unspektakulär. Wir bilden uns einfach ein, dass mit einem neuen Partner "alles besser" wird, genießendas Gefühl der Freiheit, wenn wir ordentlich aufs Gaspedal treten, gewinnen vermeitlich völlig neue Einsichten, wenn wir uns richtig die Birne zudröhnen, wir trösten uns über unseren völlig unterbezahlten "Drecksjob" mit den netten Kollgen und der tollen Atmosphäre hinweg und behaupten, dass es anderen auch nicht besser geht.

 

Neptun hat also ein großes Potential uns zu falschen Schlussfolgerungen zu verleiten, oder die Probleme einfach wegzublenden, bzw. in Rauch aufzulösen.

Durch die Verblendunszusammenhänge wird verhindert, dass wir zu echten Einsichten gelangen, die persönlichen Fortschritt ermöglichen und unser Leben in eine erfüllendere Richtung lenken.

Die Kunst besteht in diesen Lebenjahren  darin, den Umbruch zu wagen, ohne alles stehn und liegen zu lassen, unser Leben an den realen Möglichkeiten neu auszurichten, statt blind Illusionen und Träumen nachzujagen.

Akzeptiern wir, dass die Jugend vorbei ist, ein neuer Lebensabschnitt beginnt und wir die Weichen anders stellen können und müssen, in Einklang mit uns selbst und mit  Respekt für alles, was wir bisher aus unserem Leben gemacht haben.